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Dienstag, 13. Oktober 2009

Raum

Dass die Wände seit Tagen immer näher kommen, stört ihn nicht. Zentimeter um Zentimeter schieben sich das Hinten, das Vorne, das Links und das Rechts auf ihn zu. Der Raum ist nie besonders groß gewesen, also ist das noch lange kein Grund aufzustehen. Der Sessel zu gemütlich, die Luft zu stickig, das Abwenden der Augen vom Fernsehbildschirm viel zu anstrengend. Sicherlich, er könnte aufstehen und das Fenster öffnen, nach dem Rechten sehen. Aber was kann er an diesem Umstand, dass sich hinter diesen Wänden irgendetwas auf ihn zubewegt, schon ändern? Gar nichts. Wieso sich also die Mühe machen. Paranoia steht ihm ohnehin nicht.
Der Raum ist nie etwas anderes gewesen als eine ausgesuchte Zelle und so empfindet er es kaum als Verrat, dass er sich nun endgültig gegen ihn wendet. Wenngleich er sich angenehmeres vorstellen kann, als langsam zwischen 2 Wänden zerquetscht zu werden, ausgepresst wie eine Zitrone. Aber selbst Suizid wäre an dieser Stelle ja nun wirklich reiner Aktionismus.
So wird es also in kurzer Zeit ein Ende mit ihm nehmen. Denn nach allem was er weiß, kann ein Mensch nicht auf einem Raum von wenigen Quadratmillimetern überleben. Ein wenig Melancholie schwingt durchaus mit bei der Beobachtung. Aber schließlich hat er das Zimmer in den letzten Jahren ohnehin kaum verlassen, und sich jetzt vorzumachen er hätte noch die Welt umsegeln oder den Mount Everest besteigen wollen... Nein, das ist zu lächerlich.
Und so ändern sich mit dem Fernsehprogramm schließlich auch seine Gedanken und er findet langsam zurück zu der Fahrstuhlmusik in seinem Kopf ................

Samstag, 10. Mai 2008

Wunderbaum

Seine Schläfen pochten.
Warum hatte er es zugelassen, dass dieser Eindringling seinen Wagen infiltrierte?
Nun gab es kein Entkommen. 160 km/h.
Wie stark mussten Kopfschmerzen wohl sein, um einen Schädel zum Bersten zu bringen?
Vielleicht konnte er den Kampf noch gewinnen.

Die Zigarettenschachtel war leer, der Aschenbecher voll, aber mehr als drei passten so oder so kaum in seinen Mund. Für den Moment war er noch sicher. Der Qualm vernebelte sein Gehirn und betäubte sogar beinahe seine Nase. Doch die Glut näherte sich unaufhaltsam wie ein Buschfeuer dem Filter.

Zigarette 1 war tot. Unter panischem Betätigen der Lichthupe drängte er einen grün-metallic Jaguar von der linken Spur. 190 km/h. Keine Ausfahrt in Sicht.

Zigarette 2 - qualvoller Exitus. Ein schwarzer Mercedes. Lichthupe.

Lichthupe.

Licht-Licht-Licht-Licht-Licht-Licht-Licht-LICHTHUUUUUUUPE.
"VERSCHWINDE DU BASTARD!" Zigarette 3 fiel in seinen Schoß und starb.

Er war verloren.

Warum hatte sie nicht seine Hose in Brand setzen können. Alles wäre besser gewesen, als nun ihm ausgeliefert zu sein. Und da war er wieder. Langsam und qualvoll kam er näher, machte immer mehr Boden gut, bahnte sich seinen Weg. Die olfaktorische Folter nahm ihren Lauf.
Der Kampf war vorbei und er hatte verloren.
Doch diesen Triumph würde er ihm nicht gönnen.
Es gab immer einen Ausweg. Das Opfer war nicht klein, im Gegenteil, aber alles war besser als diese Qualen. Alles.
Sogar die Leitplanke.